Sexarbeit und Prostitution sind nicht dasselbe

Wenn Frauen ihren Körper verkaufen, geschieht das mitunter freiwillig, mitunter nicht. Der feministische Streit um die eine korrekte Bezeichnung ist deshalb überflüssig. Das behauptet auf jeden Fall  Antje Schrupp von Die Zeit.

Kaum ein Thema ist unter Feministinnen so umstritten wie Sex gegen Bezahlung: Die einen fordern Akzeptanz des Metiers ein, andere wollen Sexkauf verbieten. Diese Fronten scheiden sich auch an der Wortwahl: Von „Sexarbeit“ sprechen die einen, von „Prostitution“ die anderen. Aber was, wenn wir beide Begriffe brauchen könnten?

Was genau passiert, wenn jemand eine Frau für Sex bezahlt? Diejenigen, die von „Sexarbeit“ sprechen, haben folgendes Szenario im Sinn: Da ist ein Mensch, der sexuelle Bedürfnisse hat und deren Befriedigung einer professionellen Sexarbeiterin anvertraut. Diese wiederum hat den Beruf aus freien Stücken gewählt, weil er gutes Geld bringt. Wer hingegen von „Prostitution“ spricht, hat ein patriarchales System vor Augen, das Frauen dazu nötigt, mit beliebigen Männern Sex zu haben, wobei die Hauptprofiteure Bordellbetreiber, Zuhälter und Freier sind. Beide Seiten können sich auf die Betroffenen selbst berufen: Sexarbeiterinnen sprechen über die Chancen und den Sinn ihrer Arbeit, ehemalige Prostituierte über die entwürdigenden und frauenverachtenden Zustände, denen sie entronnen sind.

Und wenn beides richtig wäre? Möglicherweise gibt es ja einen guten Grund, dass an beiden Begriffen so hartnäckig festgehalten wird. Dann wäre der Streit darüber, welcher Begriff der bessere ist, unnötig.

Sexarbeit und Prostitution sind nicht dasselbe, aber beides existiert. Ob man von Sexarbeit spricht oder von Prostitution, ist keine prinzipielle Frage, sondern sie wird erst in einem konkreten Fall interessant: Wenn man entscheiden muss, womit man es in einer bestimmten Situation gerade zu tun hat – mit Sexarbeit oder mit Prostitution.

Was Antje und Die Zeit weiter schreiben? Hier geht es zum ganzen Artikel

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